Jahreslosung 2020:

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Mk 9,24)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der oft genannte und beklagte Traditionsabbruch in der religiösen Sozialisation stellt auch im Religionsunterricht immer wieder vor neue Herausforderungen. Immer seltener können wir auf inhaltliches Vorwissen der Schüler/-innen oder auf Vertrautheit mit religiösen Praxisformen setzen, religiöse Sprache ist den Schüler/-innen zunehmend zur Fremdsprache geworden. Das macht die Arbeit im Fach nicht einfacher.

Vor diesem Hintergrund höre ich die Jahreslosung für das Jahr 2020: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Ich höre sie u.a. als Erinnerung daran, dass große und kleine Menschen immer Fragen, Hoffnungen, Nöte, Erfahrungen mitbringen, die sie selbst weder in religiöser Sprache ausdrücken, noch von sich aus mit Religion in Verbindung bringen, die aber, weil zutiefst menschliche Erfahrungen, im Gespräch mit der christlichen Glaubenstradition in spezifischer Weise erschlossen werden können. Ob die Kinder und Jugendlichen diese Erschließungsangebote für sich als weiterführend oder gar stimmig erleben, liegt nicht allein in unserer Hand. Aber ein Religionsunterricht, dem es gelingt, die Schüler/-innen immer wieder in Nachdenkensprozesse über ihre Erfahrungen, Fragen etc. zu verwickeln, die durch das Eintauchen in die christliche Tradition angestoßen und begleitet werden, ein solcher Religionsunterricht wird sich zwar immer wieder neu auf die Verstehensvoraussetzungen der Kinder und Jugendlichen einlassen müssen, kann aber darauf vertrauen, dass das, was die Schüler/-innen mitbringen, reichlich Anknüpfung und Basis für viele Jahre Religionsunterricht bietet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie, gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern, auch 2020 immer wieder die Erfahrung von gelingenden Bildungsprozessen machen dürfen.

Mit herzlichem Gruß

Pfarrerin Dr. Anja Angela Diesel
Schulreferentin des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz